Kurzantwort: Schleifvlies wird meist in Stufen wie grob, mittel, fein und sehr fein angegeben, teils zusätzlich mit einem Körnungsvergleich (z. B. P100 oder P280). Die Farbe des Vlieses ist nicht genormt und unterscheidet sich je nach Hersteller. Verlassen Sie sich deshalb auf die Angabe im Artikeltext, nicht auf die Farbe.
Warum hat Schleifvlies keine Körnung wie Schleifpapier?
Ein Schleifpapierband trägt Schleifkorn in einer festen Größe auf einem Träger. Ein Vliesband besteht dagegen aus einem offenen Fasergeflecht, in das Schleifkorn eingebunden ist. Das Vlies passt sich der Oberfläche an, trägt dabei weniger Material ab und hinterlässt ein gleichmäßiges, mattes Schliffbild. Weil Faserdicke, Kornanteil und Bindung zusammen wirken, ist die Angabe „P180“ bei Vlies immer nur ein Vergleichswert zur Orientierung. Zwei Vliesbänder mit derselben Zahl müssen sich nicht gleich verhalten, wenn sie von verschiedenen Herstellern stammen.
Wie lese ich die Stufen und Farben?
Hersteller verwenden meist vier Bezeichnungen. Die folgende Tabelle zeigt die übliche Zuordnung zum Einsatzzweck. Konkrete Vergleichswerte und Farben stehen im Datenblatt des jeweiligen Bandes.
| Stufe | Typischer Zweck | Farbe |
|---|---|---|
| grob | Entfernen von Anlauffarben, Verschmutzung, leichter Oxidation | herstellerabhängig |
| mittel | Vorbereitung für das Finish, Angleichen unruhiger Flächen | herstellerabhängig |
| fein | Satinieren, gleichmäßige Mattierung | herstellerabhängig |
| sehr fein | Finish für sichtbare Flächen, Entfernen feiner Spuren | herstellerabhängig |
Zur Farbe: Es gibt keine DIN- oder ISO-Norm, die Vliesfarben einer Körnung zuordnet. Manche Hersteller arbeiten mit einem eigenen Farbsystem, andere färben nach Korn. Wenn Sie zwischen zwei Anbietern wechseln, vergleichen Sie deshalb immer den Text (grob, mittel, fein) und den Körnungsvergleich, nicht die Farbe.
Welche Stufe passt zu welcher Aufgabe?
- Reinigen und Anlauffarben entfernen: grob oder mittel, mit wenig Druck.
- Gleichmäßig mattieren (Satinieren): mittel bis fein, in einer Richtung führen.
- Sichtfläche veredeln: fein oder sehr fein als letzter Schritt nach einem Papierband.
- Entgraten und Kantenbruch: mittel, die Faser rundet Kanten leicht an.
Wichtig: Vlies ersetzt keinen Grobabtrag. Starke Rostnarben, Schweißnähte oder tiefe Riefen entfernen Sie zuerst mit einem Papier-Schleifband und gehen erst danach zum Vlies. Mehr zur Reihenfolge auf Edelstahl: Edelstahl satinieren und Edelstahl schleifen: Körnungsfolge.
Worauf sollten Sie beim Kauf achten?
- Bandmaß der Maschine (Breite × Länge). Siehe Schleifband-Größe bestimmen.
- Einsatz auf Edelstahl: Wenn Sie rostfreien Stahl bearbeiten, nutzen Sie ein Band, das ausschließlich dafür verwendet wird, damit kein Fremdrost eingetragen wird. Gibt der Hersteller eine Eisenfreiheit an, steht das im Artikeltext.
- Eigener Einsatzzweck: Ein Vliesband, das für Lackflächen gedacht ist, ist nicht automatisch für Metall geeignet. Prüfen Sie die Einsatzangabe.
Wann ist Vlies die falsche Wahl?
Bei Holz und frischem Lack setzt sich Vlies schnell zu und gibt wenig Abtrag. Dort bleiben Sie besser bei Papierbändern, siehe Schleifband für Holz und Lack. Einen Überblick über alle Themen finden Sie auf der Ratgeber-Startseite.
Häufige Fragen
Bedeutet eine bestimmte Farbe immer dieselbe Körnung? Nein. Die Farbe von Vlies ist nicht genormt. Maßgeblich sind die Stufenangabe und der Körnungsvergleich des Herstellers im Artikeltext.
Welche Körnung entspricht „fein“? Das ist je Hersteller unterschiedlich. Manche geben bei fein einen Vergleichswert im Bereich von etwa P180 bis P320 an, andere nutzen andere Zahlen. Im Zweifel gilt das Datenblatt.
Kann ich mit Vlies auch Material abtragen? Nur wenig. Vlies mattiert, reinigt und veredelt. Für Abtrag nutzen Sie zuerst ein Papier- oder Gewebeband.
Lässt sich ein Vliesband reinigen? Leicht verschmutzte Bänder können Sie mit Druckluft ausblasen. Ist die Faser verklebt oder verglast, ersetzen Sie das Band.